Das Hören danach

Dezember 2014

Nach ca. 3 Jahren Tragezeit der Phonak Exélia Art M-Hörgeräte lässt die Hörleistung spürbar nach. Auch die Batterien sind schneller verbraucht als am Anfang (ich benutze immer dieselben Hörgerätebatterien: PowerOne P13).

Auch verschiedene Einstellungen seitens der Akustiker bringen keine wirklich gute Hörverbesserung.

Wenn ich in 3 Jahren neue Hörgeräte brauche, würde ich mich nicht mehr für Phonak entscheiden. Nach anfänglicher Begeisterung gehen mir die Einstellungsmöglichkeiten der Geräte zu schnell an eine Grenze. Für Hörgeräte dieser Preisklasse hatte ich mir mehr erhofft.


Dezember 2012

Nach über einem Jahr Tragezeit der gewünschten und erhaltenen Hörgeräte bin ich weiterhin äußerst zufrieden. Inzwischen war ich schon zweimal bei meiner Hörgeräteakustikerin zum „feiner nachstellen“. Es gibt immer wieder Situationen, an die die Hörgeräte noch besser angepasst werden müssen, das ergibt sich erst nach monatelangem Tragen und Ausprobieren. Wichtig dabei ist natürlich die Kommunikation zwischen Hörgeräte-Träger und Akustiker, wobei so genau wie möglich beschrieben werden sollte, in welcher Situation welche Schwierigkeiten auftreten, damit der Akustiker die Korrektur entsprechend umsetzen kann.

Inzwischen habe ich auch iCom getestet und ein anderes Bluetooth-Verbindungsgerät. Ein Erfahrungsbericht folgt auf dieser Seite. Letztendlich ist keines der Geräte für mich vorteilhaft, deshalb habe ich beide wieder zurück gegeben.

 

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Hörgeräte-Test

Phonak Solo T

Juni 2009

Die ersten Test-Geräte von der Firma Phonak, Modell Solo T wurde mir angepasst. Nach der Einstellung am PC des Akustikers durfte ich das erste Mal mit diesen Geräten hören.

HÖREN? Das ist eher ein Witz mit diesen Geräten. Da diese ständig “arbeiten”, d.h. versuchen, laute Geräusche zu unterdrücken und leise zu verstärken, hatte ich das Gefühl, von einem Schwindel in den anderen zu fallen. Meine Akustikerin gegenüber habe ich wie durch Watte gehört und Nebengeräusche so gut wie gar nicht. Draußen auf der Straße: eine einzige Katastrophe!

Höchste Gefahr im Straßenverkehr

Fahrzeuge werden gar nicht registriert oder zu spät erkannt!

Da hilft die beste Einstellung nichts, die Dinger taugen nicht zum Hören, also gleich wieder raus damit und ein anderes Modell ausprobieren.

Das erste Kassengerät war ein Reinfall!

Null Zuzahlung = Null hören

Widex B11 aus der Bravo-Serie

Juni 2009

Die zweiten Hörgeräte die ich angepasst bekam, waren von der Stuttgarter Firma Widex: Widex B11 aus der Bravo-Serie.
Eine kleine Steigerung des Hörvermögens im Vergleich zu Phonak Solo T. Nach den nötigen Einstellungen habe ich also diese Geräte mitgenommen, um sie in verschiedenen Alltagssituationen zu testen.

Draußen auf der Straße bin ich vom Verkehrslärm fast erschlagen worden, auf dem Bahnhof war es so LAUT, dass ich schon mal den Lautstärkeregler betätigen musste, um die Verstärkung zu reduzieren. Ich hielt tapfer durch bis zum Abend, als ich mich mit dröhnendem Kopf von den Testgeräten befreite.

Das Sprachverständnis war mit diesen Modellen wesentlich schlechter als mit meinen alten Hörgeräten, die ich am nächsten Tag wieder getragen habe, weil ich mir erneuten Stress und Dröhnekopf ersparen wollte.

Widex B11 ist für Innenohr-Schwerhörige absolut unzureichend

Es kommen keine Höhen rüber, die Geräte klingen stumpf, das Sprachverständnis ist schlecht und die Nebengeräusche zu laut. Nein danke!

Zuzahlung 50,00 Euro (lieber einmal schön Essen gehen)

Hörgewinn laut Anpassbericht des Akustikers: 40%


Oticon Vigo P

Juni 2009

Nach den ersten beiden Misserfolgen mit Phonak Solo T und Widex B11 habe ich nun Power-Geräte zum Testen bekommen: Oticon Wigo P. Diese Geräte gehören zur Mittelklasse der Hörgeräte und die Zuzahlung pro Gerät beträgt ca. 1390,00 Euro. Eine Stange Geld und der Anteil der Krankenkasse ist schon abgezogen. Die Form des Vigo ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber das Wichtigste ist die Funktion.

Entweder sind diese Hörgeräte für mich nicht geschaffen 🙁 oder sind sie falsch eingestellt worden, was natürlich auch mit den Erfahrungen des Akustikers zusammenhängt. Mir kommt der leise Verdacht auf, dass meine derzeitige junge Akustikerin noch nicht sehr viel Erfahrung auf ihrem Gebiet hat und meine Beschreibungen und Erwartungen nicht in die Tat umsetzen konnte. Dies hatte zur Folge, dass ich die Geräte frustriert nach einam Tag schon ablegte und wieder meine alten Lauscher trug.

Auch wie bei den Vorgänger-Modellen war das Hörergebnis für mich absolut unbefriedigend, die Höhen zu dumpf und der Klang hallend wie in einer Höhle. Das Sprachverständnis war nicht gerade der Hit, Umgebungsgeräusche haben sich künstlich angehört. Sicher könnte da noch viel an der Einstellung geregelt werden, aber entscheident ist der erste Eindruck und der war eben nicht so dolle.

Obwohl teure Mittelklasse-Geräte …..
….. haben diese keine wesentlich guten Ergebnisse beim Hören gebracht.

Schlechter Akustiker = schlechtes Hörgerät???

Zuzahlung 1390,00 Euro pro Hörgerät

Hörgewinn laut Anpassbericht des Akustikers: 55%


Phonak Certena M

Juni 2009

Testgeräte Nr. 4 – Phonak Certena M – eine neue Akustikerin und der erste positive Erfolg bei der Hörgeräte-Anpassung.

Es geht doch! Na also, warum nicht gleich so. Es muss eben auch die Chemie zwischen Hörgeschädigten und AkustikerInnen stimmen, dann klappt es.

Die neuen Testgeräte haben bissige Höhen und das Hörempfinden ist für mich sehr angenehm, vom ersten Moment an. Beim Spaziergang höre ich plötzlich soooo viele Vögel, obwohl ich sie nicht sehen kann und das erste Mal seit Jahren wieder die Grillen zirpen! Ich glaub’s fast nicht, aber ich bin glücklich über die neuen Höreindrücke. Mit meiner Freundin habe ich neulich nur geflüstert und alles verstanden, was sie flüsterte, WOW.

Es wurden 2 Programme aktiviert, eines für den Alltag, das andere für die Musik mit weniger Kompression, so dass ich alle Töne und den Gesang klar und deutlich hören kann.
Nach ein paar Tagen Probe tragen kommen natürlich ein paar Dinge zusammen, wo bestimmte Geräusche wie das Rascheln von Plastik oder beim Essen das Schürfen auf dem Teller als sehr unangenehm empfunden werden. Aber beim nächsten Akustiker-Termin können diese Unannehmlichkeiten sicher noch eingeschränkt werden.

Juchhuuuu es geht aufwärts

….. aber noch ist nicht aller Tage Abend!

Zuzahlung 1540,00 Euro für beide Hörgeräte zusammen


Phonak Certena M

4 Wochen nach Test der Phonak Certena M

Juli 2009

Aktivierung von 3 Programmen

Nach zweiwöchigem Tragen der Phonak Certena M-Geräte war ich noch einmal bei meiner Akustikerin, um einige neue Einstellungen machen zu lassen. Laute und hohe Stimmen wie z.B. Kinderstimmen taten mir noch sehr weh, bestimmte Geräusche im Haushalt wie Knistern von Plastik, Klappern von Tellern (beim Essen das Klappern von Besteck auf den Tellern) und Töpfen etc. waren unerträglich. Also wurde eben noch etwas an den Einstellungen geändert, um diese Probleme zu lindern. Außerdem wurde das 2. Programm, das für die Musik sein sollte, vom Klang her wie das Hauptprogramm eingestellt, da dieses noch zu weich rüber kam.

Ich bekam noch ein 3. zusätzliches Programm dazu, das für Gespräche in lauten Umgebungen wie Restaurants, im Straßenverkehr, in Kaufhäusern etc. eingerichtet wurde, bei dem das Richtmikrofon nach vorne ausgerichtet ist, um sein Gegenüber besser zu verstehen und gleichzeitig die Geräusche, die von links, rechts oder von hinten kamen, abzublocken. Dieses 3. Programm funktioniert tatsächlich in einer Gruppe recht gut, aber der Klang ist noch sehr HART. Das könnte man sicherlich noch ändern. Das Sprachverständnis des gegenüber sitzenden Sprechenden ist jedoch recht gut.

Mundharmonika und Knallfrösche

Wenn ich bestimmte Töne gepfiffen oder laut gerufen hatte, hörte ich einen zweiten Ton, wie etwa beim Spielen einer Mundharmonika. Mir wurde erklärt, dass die Technik eine Rückkopplung erkennt und einen Gegenton sendet, um ein Pfeifen der Geräte zu verhindern. So weit so gut, aber beim Musikhören oder beim Musizieren (ich spiele Gitarre und singe) kann ich so etwas nicht gebrauchen! “Ja beim Musikprogramm würde diese Funktion ausgeschaltet sein”. Denkste! Da hör ich diesen Doppelton genau so! Und im 3. aktivierten Programm ebenso!

In der ersten zweiwöchigen Tragephase hörte ich Knistern von Plastik und ähnliche Geräusche wie ein Knallen, als ob jemand einen Knallfrosch betätigt hätte. Dieses Knallen wurde bei der zweiten Einstellung gemindert, ist jedoch nicht beseitigt.

Zwischenbilanz

Das Sprachverständnis ist weiterhin recht gut, jedoch stören mich oben beschriebene Nebenwirkungen.  Draußen in der Natur werden die Windgeräusche kaum wahr genommen, was ich im Gegensatz zu meinen eigenen IO-HGs als sehr angenehm empfinde.

Telefonieren ist nur mit Lautsprecher möglich!

Da ich auf Grund meines ehrenamtlichen Engagements als Ansprechpartnerin zweier Selbsthilfegruppen viel telefoniere, ist das leider nicht sehr von Vorteil, da der Klang über Lautsprecher oft verzerrt und unverständlich ist. Beim direkten Ranhalten des Telefonhörers ans Mikrofon der HGs höre ich nur leise Piepsstimmen ;.(


Phonak Certena M

3 weitere Wochen nach Test der Phonak Certena M

August 2009

Auch nach weiteren 3 Wochen Probetragen muss ich feststellen, dass diese Hörgeräte nicht die passenden für mich sind, mit denen ich es mindestens 6 Jahre aushalten möchte.

Bei Spaziergängen mit den Hunden habe ich oft eine Begleitung dabei und wenn ich von links angesprochen werde, dann wird rechts alles abgeblockt, so dass ich das Gefühle habe, mein Ohr sei verstopft. Von der anderen Seite reagiert dann das andere dementsprechend. Das ist nachteilhaft, weil ich ja dann am Gegenohr keine nahenden Fahrzeuge hören kann.
Weiterhin höre ich Knistern von Plastik oder Papier als ein Knallen, sowie das Knacken von Holz ebenso wie einen Knall. Frauen- und Kinderstimmen höre ich so laut, dass es unangenehm wird.

Hören von Musik

Das Hören von Musik über eine Stereoanlage mit Lautsprecherboxen ist ganz passabel. Möchte ich jedoch die Kopfhörer verwenden, so sind HdO-Geräte leider nicht so vorteilhaft. Die Phonak Certena M-Geräte haben über Kopfhörer keine Vorteile, da ist die Leistung meiner alten Im-Ohr-Geräte besser, weil sie einen natürlicheren Klang haben und der Schall auf direktem Weg übertragen wird.
Beim Musizieren klingt meine Westerngitarre eher wie eine Steelguitar, einfach zu hart und metallisch. Beim Singen bestimmter Töne habe ich weiterhin wie schon beschrieben, das Doppel-Ton-Problem, ebenso beim Pfeifen (das klingt wie eine Mundharmonika).

Fazit

Die Technik der Certena M arbeitet nicht ausreichend gut für eine Versorgung von Usher-Syndrom-Betroffenen. Die Hörgeräte sind sehr eigenwillig, in vielen Situartionen ist eine Verbesserung notwendig, in Gesellschaft zu laut und hart im Klang, in der Ruhe optimal z.B. bei Vorträgen oder im Theater.

Nach anfänglicher Begeisterung wurde mein Gesicht nach einer Testphase von insgesamt 7 Wochen immer länger.

Leider nicht die passenden Hörgeräte

Ich denke, dass noch eine gute Steigerung beim Hören und Sprachverständnis mit anderen Hörgeräten möglich ist und werde als nächstes Geräte von Widex testen.


Widex Flash FL-9

August 2009

Nach Phonak Certena M habe ich nun wieder ein Hörgerät von Widex zum Testen bekommen, Modell Flash Fl-9. Der Ersteindruck nach den nötigen Einstellungen war nicht so das Aha-Erlebnis wie bei Phonak, aber auch nicht schlecht – zumindest in den Räumen des Akustikers.

Draußen auf der Straße war der Verkehr angenehm zu hören, am Bahnhof die einfahrenden Züge nicht unangenehm laut. Aber zu Hause und nach mehreren Gesprächen mit anderen Leute habe ich dennoch festgestellt, dass die Kommunikation mit diesen Geräten nicht die Beste war. Das liegt sicherlich an der Einstellung, jedoch ist der Ersteindruck wie gesagt der entscheidende und deshalb werde ich diese Geräte sicherlich nicht sehr lange tragen. Die hohen Töne sind zu dumpf und alles klingt wie in Watte gepackt. So langsam werde ich des Probetragens müde und greife immer wieder zu meinen alten Geräten zurück, die immer noch das beste Hörempfinden für mich hergeben. (Hörempfinden ist nicht gleich Hörerlebnis)

Zu meinem Entsetzen muss ich erfahren, dass die Akustikerin, die die Phonak-Geräte so gut bei mir angepasst hat, bis auf Weiteres wegen Krankheit ausfällt und die Vertretung leider nicht die Einstellungen vornehmen kann, um meine Bedürfnisse an die Geräte anzupassen. Das trägt natürlich dazu bei, dass ich nicht mit diesem Modell klar komme 🙁
Wobei wir wieder beim Thema schlechter Akustiker = schlechtes Hörgerät wären ….

Widex-Geräte haben auch den Ruf als Weicheier wegen ihres Klanges und böse Zungen reden von Widex-versauten Ohren, die nicht mit anderen Hörgeräten klar kommen.
Ich hatte die letzten 6 Jahre Widex-Geräte, komme aber nicht mal mit den neuesten Hörgeräten von Widex zurecht :.|


Widex Mind

September 2009

Die Superklasse-Akustikerin ist nach 5 Wochen Ausfall wegen Krankheit immer noch nicht anwesend, also muss ich gezwungenermaßen zur Vertetung in ein anderes Geschäft und einen weiten Weg in Kauf nehmen.

Gut, ich dachte, für die Oberklasse-Geräte Widex Mind lohnt sich der Weg vielleicht. Nach den Einstellung habe ich beim Sprachtest bis auf ein Wort ALLES verstanden, auch bei geringer Lautstärke. Toll, dachte ich, aber dies war ja nur ein Test und im Alltag sieht’s doch ein wenig anders aus.

Nach dem Verlassen des Geschäftes war der Ersteindruck im Straßenverkehr angenehm, die lauten Fahrzeuge wurden von der Technik ordentlich zurückgebremst, aber leider auch die Sprache meiner Mitmenschen: Die hörte ich nämlich gar nicht, wenn ein Auto vorbei fuhr. Der Klang der Widex Mind ist sehr natürlich und weich. Jedoch bedarf es noch viel Feineinstellung, um das Hörergebnis zu verbessern.

Nach einer Wochen testen erfuhr ich erfreulicherweise, dass meine Akustikerin wieder auf dem Damm ist und habe natürlcih gleich einen Termin mit ihr vereinbart. Dann werden wir sehen, ob sie das so hinbekommt, dass ich mit diesen teuren Superklassegeräten auch was höre.

Die teuersten Hörgeräte sind nicht immer die Besten!


Phonak Exélia Art M

September 2009

Nach der Testphase von Widex Mind hatte ich mich dazu entschieden, nochmals ein anderes System von Phonak zu testen, da die Hörergebnisse mit Widex Mind für mich nicht zufriedenstellend waren. Gott sei Dank! Denn dadurch bekam ich Hörgeräte empfohlen, die eine gewaltige Wende in mein Leben brachten: sie eröffneten mir die Welt des Hörens!

Phonak Exélia Art M

Endlich! Dieses Hörsystem hat nach 3 Wochen intensiven Testens und mehreren Korrekturen in den Einstellungen die besten Ergebnisse für mich geliefert und zwar in allen Bereichen, die man sich nur vorstellen kann.
Egal ob im Straßenverkehr, bei Veranstaltungen, im Restaurant, in der Natur, im Einzelgespräch oder im Gespräch mit mehreren Personen: Dieses Hörsystem ist für mich wie geschaffen und ich war mit den Hörergebnissen äußerst zufrieden.

Endlich wieder hören

dank geeigneter Hörsysteme

Ende September 2009 habe ich alle erforderlichen Unterlagen bei meiner Krankenkasse eingereicht mit der Bitte um eine Einzelfallentscheidung. Bitte lesen Sie weitere Details unter dem Menuepunkt Antrag

Hörgewinn laut Anpassbericht des Akustikers: 90%

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Kommentar zu Hörgeräte-Test

Kommentar von _Franz am 28.03.2012; 21:43:54 Uhr

Glückwunsch zu dieser informativen Seite.
Bin selber hochgradig schwerhörig und zur Zeit am Testen.
Deine Erfahrungen geben mir Kraft das ganze durchzustehen.
Habe sowas vor Jahren schon mal durchgemacht.
Zur Zeit werden Otikon Chilli SP 5 getestet.
Sind sehr hart im Klang, aber es ist erst der Anfang.
Gruß Franz


Kommentar zu Hörgeräte-Test

Kommentar von _Barbara – seit 1997 HG am 04.06.2012; 11:05:47 Uhr

Bei mir liegt auch eine kombinierte Schwerhörigkeit mit Ausfall im Hauptsprachbereich vor. 2009 noch mittel bis hochgradig und jetzt hochgradig bis fast an Taubheit grenzend. Tonhörverlust in dB rechts ist 77 und links 73. Zusätzlich liegt eine zunehmende Lärmempfindlichkeit vor, deswegen habe ich 2009 auch HG mit Störschallunterdrückung erhalten.

2009 habe ich von Widex die Flash PL+Poti ausprobiert und war da noch soweit recht zufrieden – naja, im Gegensatz zu den anderen HG war es eine echte Verbesserung. Jetzt – drei Jahre später – kann ich das nicht mehr behaupten. Bei der normalen Einstellung sind mir jetzt die hohen Frequenzbereiche einfach zu laut und lassen sich leider auch nicht richtig anpassen. Beim Einstellen der Störschallunterdrückung werden nervige Geräusche weitgehend rediziert, aber auch das Sprachverstehen leidet leider darunter. Das ist bei mir als Verkäuferin im Beratungsverkauf etwas sehr ungünstig. Eine entsprechende Nachjustierung hat hier auch nichts gebracht.

Nach einem letzten Hörtest im Dezember 2011 empfahl mir mein HNO vorzeitig neue Hörgeräte

Herzlichen Dank für die ausführliche Info zu den einzelnen Hörgeräten. Sind für mich sehr hilfreich.

Gruß Barbara


Kommentar zu Hörgeräte-Test

Kommentar von _S.Geschwind am 29.11.2013; 18:13:08 Uhr

Hallo,
ich habe jahrelang Oticon getragen (zuletzt „Go Pro P“).
Getestet habe ich erst Phonaks Naida. Leider für mich wiederum unbrauchbar da diese (hochgradige Schwerhörigkeit/Resthörigkeit) brutalst auf Sprachverstehen getrimmt sind von Werk aus. Sprachverstehen war auch 1A. Aber selbst Nachstellversuche brachten es nicht fertig, dass ich auch Musik genießen konnte. Ein Test der „Widex Super 220“ hat mich gleich nach 2 Wochen zum Kauf inklusive MDex entschieden. Bis heute brereue ich nichts.

Aber da sieht man: jeder hört anders, jeder Akustiker ist anders genauso wie auch jede Hörsituation vom jeweiligen Hörer anders empfunden wird.


Kommentar zu Hörgeräte-Test

Kommentar von _D.P. am 30.10.2014; 13:52:19 Uhr

Ich bin ziemlich fix und fertig. Noch kein Hörgerät hat mich überzeugt. Überhaupt nix. Ich bin hochgradig schwerhörig und testete zum 9. Mal. Entweder ist der Ton zu scharf, blechern, undeutlich oder dumpf. Mein Akustiker versteht einfach nicht. Er beruhigte mich immer wieder wie z.B. „Das kriegen wir schon hin“, „Das liegt an der Einstellung“ oder „Sie müssen sich daran gewöhnen“. Hallo? Gehts noch? Die kennen mein Gefühl nicht :-(. Bin echt am Verzweifeln.


Kommentar zu Hörgeräte-Test

Kommentar von _H.Goerrings am 23.12.2014; 18:34:09 Uhr

Zur Zeit teste ich Phonak Bolero Q. Die Sprachverständlichkeit ist ganz o.K., also nicht überragend. Was aber sehr störend ist, sind Zischlaute, die mit einem lauten Prasseln einhergehen. Das geht garnicht. Ich hatte früher Bernafon win 112, die habe ich mir auch jetzt wieder angezogen. Denn die Phonak haben auch die unangenehme Eigenschaft, Musik extrem zu verzerren, die Musik „vibriert“ sozusagen. Da ich selber ein wenig Klavier spiele, wird mir das völlig verleidet, es ist unerträglich. Da ich im Januar aber Geräte mit aussenliegendem Lautsprecher (aber im Ohr) bekomme, hoffe ich auf bessere Einstellmöglichkeiten. So wie die Phonak jetzt eingestellt sind, möchte ich die nicht haben.

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Hörgeräte: Klage

1 Jahr später

Der Zeitraum vom Testen von Hörgeräten bis zur Ablehnung meines Widerspruchs betrug über 1 Jahr (vom Mai 2009 bis Ende Mai 2010). Mit Hilfe des VdKs wurde im Juni 2010 Klage gegen meine Krankenkasse AOK Neckar-Alb erhoben und diese beim Sozialgericht Reutlingen eingereicht mit der Bitte um Übersendung der Akten zur Einsichtnahme. Antrag und Begründung wurden nachgereicht. Für das Beantragen einer einstweiligen Verfügung wegen Dringlichkeit benötigte der VdK noch eine Bestätigung meines Hörgeräteakustikers, dass meine (alten) Hörgeräte defekt sind und eine Reparatur unwirtschaftlich wäre. Der Text des Akustikers lautete wie folgt:

„… die Hörgeräte, die Frau Raatz seit Dezember 2002 trägt, sind defekt. Eine Reparatur dieser Geräte wäre unwirtschaftlich, da aufgrund des hohen Alters die Bauteile sehr angegriffen sind (normaler Verschleiß).

Außerdem ist aus audiologischer Sicht eine Neuanpassung sinnvoll, da sich die Hörkurve der Kundin mittlerweile geändert hat. Mit den neuen Hörsystemen wurde vor allem im Störschall ein wesentlich besseres Sprachverständnis erzielt. Außerdem verfügen die Geräte über eine wesentlich höhere Leistungsreserve, die aufgrund der gesundheitlichen Situation von Frau Raatz erforderlich ist.“

Damit das Sozialgericht weitere Sachverhaltsaufklärung betreiben kann, ist noch eine Entbindungserklärung von der ärztlichen Schweigepflicht auszufüllen und zu unterschreiben. (diese wurde mir vom VdK zugesandt) Würde der Antrag einer einstweiligen Verfügung durchgehen, könnte die Klage innerhalb weniger Wochen bearbeitet werden. (so der VdK)

Klagebegründung

Zwei Monate später im August 2010 erhielt ich vom VdK eine Mehrfertigung der Klagebegründung:

Klagesache Christina Raatz gegen AOK Neckar-Alb (=Beklagte)

Beigefügt geben wir nach Einsichtnahme die uns überlassene Akte der Beklagten zurück. Für die Klägerin stellen wir folgenden Antrag: Die Beklagte wird unter Aufhebung des Bescheides vom 23.2.2010 und des Widerspruchsbescheides vom 21.5.2010 verurteilt, der Klägerin die volle Hörgeräteversorgung mit den Hörgeräten Exelia Art M gemäß dem Angebot der Firma (Hörakustiker) mit 5.665,00 EUR, abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung, zu gewähren.

Begründung:

Die Klägerin ist Rentnerin und bei der Beklagten krankenversichert. Bei der Klägerin liegt eine angeborene Usher-Syndrom Typ ll-Erkrankung vor. Sie ist auf eine hochwertige Versorgung mit Hörgeräten angewiesen. Zuletzt war
die Klägerin 2002 mit Hörgeräten versorgt worden. Jetzt ist dringend eine Neuversorgung erforderlich.
Zusammen mit der Firma (Hörakustiker) erprobte die Klägerin verschiedene Hörgeräte, wobei sich herausstellte, dass für den Ausgleich ihrer Hörschädigung das streitbefangene System Exelia Art M die am ehesten zufrieden stellenden

Ergebnisse erzielt werden können.

Mittels der angefochtenen Bescheide lehnte die Beklagte die Versorgung im begehrten Umfang ab. Die Beklagte begründet diese Ablehnung damit, dass für die Beklagte lediglich eine Leistungspflicht im Rahmen der Festbeträge bestehe, die für die Hilfsmittelversorgung festgesetzt seien. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf den lnhalt der Akten der Beklagten verwiesen. Wir vertreten mit der Klägerin die Auffassung, dass der von der Beklagten eingenommen Standpunkt nicht haltbar ist. Wir berufen uns ausdrücklich, wie auch schon die Klägerin im bisherigen Verfahren, auf die aktuelle Rechtsprechung des 3. Senats des Bundessozialgerichts zur Hilfsmittelversorgung, insbesondere Hörgeräteversorgung. Rechtsgrundlage   einer Gerichtsentscheidung muss $ 33 Abs. 1 Satz 1 SGB V sein. Hiernach haben Versicherte Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, wenn sie nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens oder nach $34 Abs.4 SGB V aus der Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen und im Einzelfall erforderlich sind, um entweder den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen.

Mit der doppelten Sinnesbehinderung durch das Usher-Syndrom Typ ll ist die Klägerin auf die bestögliche Versorgung mit Hörsystemen angewiesen, um die Hörbehinderung auszugleichen. Es geht um einen unmittelbaren Behinderungsausgleich, weil die stark beeinträchtigte Hörfunktion unmittelbar ersetzt werden muss. Daher ist entsprechend der Rechtsauffassung des Bundessozialgerichts ein unmittelbarer Behinderungsausgleich vorzunehmen, grundsätzlich mit dem Ziel eines vollständigen funktionellen Ausgleichs. Aufgrund der bisher im Antrags- und Widerspruchsverfahren gewonnenen Erkenntnisse steht grundsätzlich fest, dass die von der Klägerin gewünschte Versorgung den größtmöglichen Ausgleich der Behinderung ermöglicht.

Die Beklagte beruft sich mit ihrer Ablehnung u.a. aber auch darauf, dass im Hilfsmittelverzeichnis nach $ 139 SGB V insgesamt 738 verschiedene Hörgeräte gelistet seien. Es sei davon auszugehen, dass es hierunter noch weitere

zweckmäßige Hörgeräte gäbe, die den Hörverlust der Klägerin ausreichend ausgleichen würden. Sie versucht damit, das wirtschaftliche Risiko einer Hörgeräteversorgung auf die Klägerin abzuwälzen. Sie verkennt, dass die Klägerin keinerlei  Möglichkeiten hat, auf die Preisgestaltung der Hersteller und Vertreiber von Hörgeräten Einfluss auszuüben. Absprachen  bestehen nicht zwischen der Klägerin und den Leistungserbringern, sondern die Beklagte hat mit den

Hörgeräteversorgern Rahmenverträge abgeschlossen. lnwieweit sie deren Einhaltung überwacnt, wissen wir nicht. Keinesfalls kann die Beklagte jedoch das Kostenrisiko einer gesetzlichen Versorgung auf die Klägerin abwälzen. Die Beklagte ist antragsgemäß zu verurteilen. Soweit eine medizinische Sachaufklärung notwendig erscheint, liegt die Entbindungserklärung von der ärztlichen Schweibepflicht dem Gericht bereits vor.


Zwischendurch erhielt ich Ende November von einem Verteiler einen Appell an die Landesverbände der Krankenkassen, verfasst von Dieter Hillebrand, MdL. Sie können das 2-seitige Formular hier herunterladen.


Weitere 3 Monate später

Weil bis Februar 2011 (3 Monate nach dem Einreichen der Klagebegründung) nichts passiert ist, habe ich mal vorsichtig beim VdK nachgefragt, was aus dem Antrag der einstweiligen Verfügung geworden ist. Leider wurde dieser Antrag nie gestellt. Weil das damalige Schreiben vom Akustiker nicht mehr vorhanden war, musste ich eine erneute Begründung beim Akustiker anfordern und diese wurde direkt an den VdK geschickt. Der VdK verfasste dann im Februar 2011 folgendes Schreiben an das Sozialgericht Reutlingen:

„… Wir bitten darum, alsbald Termin zur mündlichen Verhandlung zu bestimmen. Die Klägerin ist dringend auf eine neue Hörgeräteversorgung angewiesen. Die bestehende Hörgeräteversorgung stammt aus dem 2002. Die Geräte sind defekt, nach 8 Jahren Nutzungsdauer ist eine Reparatur nicht mehr sinnvoll. Die Klägerin ist dringend auf eine neue Versorgung angewiesen, weil sie sonst nicht mehr am Gemeinschaftsleben teilnehmen kann. Es wird nochmals darauf hingewiesen, dass die Klägerin starkt hörgeschädigt ist und zusätzlich auch das Sehvermögen sehr eingeschränkt ist.“

Weitere 6 Monate später

Nach Monaten quälenden Wartens kam endlich eine Reaktion des Sozialgerichts Reutlingen in Form einer Beauftragung eines Begutachtens durch einen HNO-Arzt, der von Amts wegen bestellt wurde. Dieser Gutachter hatte folgende vom Sozialgericht gestellten Fragen zu beantworten:

Streitig ist, ob die Klägerin Anspruch auf Versorgung mit Hörgeräten des Typs „Phonak Exelia Art M“ hat.

  • Welche Gesundheitsstörungen liegen bei der Klägerin auf Ihren Fachgebiet vor?
  • Ist die Versorgung speziell mit Hörgeräten des Typs „Phonak Exelia Art M“ erforderlich?

Im Einzelnen:

a) Bieten diese Hörgeräte im allgemeinen Alltagsleben – nicht nur im Beruf/am Arbeitsplatz – eine weitergehende Angleichung an das Hörvermögen hörgesunder Menschen als kostengünstigere Alternativen?

b) Handelt es sich dabei um einen wesentlichen Gebrauchsvorteil?

c) Beruht der höhere Preis der streitigen Geräte auf Vorteilen, die nicht die Funktionalität betreffen, sondern in erster Linie Gesichtspunkte der Bequemlichkeit und des Komforts bei der Nutzung oder der Ästhetik? Ggfs. in welchem Umfang?

So erhielt ich Anfang September 2011 einen Termin zur Begutachtung, bei der ich allerhand Untersuchungen und Hörtests (wie sie aus Schulzeiten bekannt sind, wo man aus einer bestimmten Entfernung etwas zugeflüstert bekam und dieses wiederholen musste – ich hatte natürlich kein Wort verstanden) über mich ergehen lassen musste.

Vorbereitung auf das Gespräch mit Gutachter

Eine gute Vorbereitung auf das Gespräch mit dem Gutachter ist unbedingt notwendig, da man ja den Gutachter mit Argumenten überzeugen muss, warum die auserwählten Hörgeräte besser sind als herkömmliche und wirtschaftliche Hörgeräte. Das anschließende Gespräch nach den herkömmlichen Untersuchungen dauerte etwa 45 Minuten, in denen ich Blut und Wasser schwitzte (innerlich natürlich). Wie die meisten Gutachter und HNO-Ärzte konnte auch mein Gutachter sich nicht vorstellen, wie ein hochgradig hörgeschädigter Mensch leben muss, welche Problematik das Hören auch mit Hörgeräten mit sich bringt und welche Schwierigkeiten im Alltag auf einen hörgeschädigten Menschen überhaupt zukommen. Diese Aufklärung ist unsere Aufgabe! Wie sonst sollen es die Ärzte denn erfahren? Während unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass der Gutachter annahm, ich würde schon meine neuen Hörgeräte tragen!!! Dies war ja ganz klar nicht der Fall und auch dieses musste ich klären.

Nachdem auch diese Hürde überwunden war und ich den Gutachter überzeugen konnte, dass die Phonak-Geräte das einzig Wahre für mich sind, bin ich mit einem einigermaßen guten Gefühl nach Hause gegangen, zumal der Gutachter leise zu erkennen gab, dass eine Chance auf eine Befürwortung besteht.

Wichtig ist also eine gute Argumentation, in welchen Alltagssituationen die erwählten Hörgeräte BESSER funktionieren als herkömmliche Hörgeräte. Heben Sie alle Vorteile Ihrer neuen Hörgeräte hervor, die für Ihre Hörsituation wichtig sind, z.B. im Umgebungslärm, im Straßenverkehr, bei Vorträgen etc. Erwähnen Sie bitte nichts in Richtung Bequemlichkeit, Komfort oder Ästhetik: es geht nur um Ihr Hörvermögen! Erklären Sie Ihrem Arzt oder Gutachter, WIE Sie hören und nennen Sie auch die Nachteile des Hörgerätetragens (Gehörgangsentzündungen, Juckreiz, Pfeifen, psychische Belastung etc.).

19 Tage später: der Vergleichsvorschlag der AOK

Gegen Ende September 2011 erhielt ich vom VdK eine Mehrfertigung eines Vergleichsvorschlags seitens der AOK Neckar-Alb u.a. mit folgendem Inhalt:

… ist die Beklagte nach Bewertung des Gerichtsgutachtens und unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts nun auch zu der Auffassung gelangt, dass die Klägerin einen Anspruch auf Hörgeräteversorgung außerhalb der gesetzlichen Festbetragsregelung hat, allerdings keinen vollen Kostenübernahmeanspruch.

Nach dem Kenntnisstand der Beklagten ist die Klägerin noch nicht mit den begehrten Hörgeräten Phonak Exelia Art M versorgt. Es handelt sich hierbei um eine absolut hochpreisige Maximalversorgung. Der Abgabepreis des Hörgeräteakustikers belief sich laut Kostenvoranschlag im November 2009 für eine beidseitige Versorgung auf 2.750,00 € je Gerät (Blatt 10 der Akte). Der aktuelle Abgabepreis ist nicht bekannt.

Allerdings beinhaltet das beantragte Hörgerät Ausstattungsmerkmale, die nicht primär dem besseren Sprachverstehen dienen (Bluetooth-Fähigkeit usw.), also nicht dem unmittelbaren Behinderungsausgleich. Vielmehr handelt es sich um Komfortkomponenten, die nicht durch die Solidargemeinschaft zu finanzieren sind. Eine Produktinformation (Quelle: lnternetseite der Fa. Phonak) ist in zweifacher Ausfertigung beigefügt.

Zur Beiliegung des Rechtsstreits unterbreitet die Beklagte deshalb folgenden Vergleichsvorschlag:

  1. Die Beklagte erklärt sich bereit, 70 v. H. der Kosten für die Versorgung der Klägerin mit den Hörgeräten Phonak Exelia Art M zu übernehmen.
  2. Mit der gleichen Quote trägt sie die notwendigen außergerichtlichen Kosten der Klägerin in angemessener Höhe.

A*F-r
Geschäftsbereichsleiter


Bemerkung

Die AOK will weiterhin ablenken und beharrt auf nebensächliche Hinweise (Komfortkomponenten wie Bluetooth), die gar nichts mit den Hauptfunktionen der Hörgeräte zu tun haben. Wenn man bedenkt, dass der ganze schriftliche Prozess und Aufwand erhebliche Kosten verursacht, muss man sich fragen: wozu das Ganze? Warum übernimmt die Kasse nicht gleich die Kosten für eine notwendige Hörgeräteversorgung, wenn von vorn herein schon alles durch ärztliche Empfehlungen und Atteste belegt wurde???

Das übrigens sehr ausführlich beschriebene Gutachten des vom Sozialgericht gestellten Gutachters möchte ich Ihnen nicht vorenthalten und biete es hier zum Download an. Dieses Gutachten bestätigt meine hochgradige Schwerhörigkeit zum x-ten Mal. (die die AOK ja herunterzuspielen versuchte)


Der VdK bat mich um Stellungnahme, ob ich den Vergleich annehmen möchte und falls Nein, wie sich die Argumentation der AOK widerlegen lässt, dass einzelne Komponenten nicht dem unmittelbaren Behinderungsausgleich dienen?

Ablehnung des Vergleichs

Mössingen, 13.10.2011
Sehr geehrter Herr A.,

mit dem Vergleichsvorschlag der AOK Baden-Württemberg bin ich nicht einverstanden und wünsche, dass das Sozialgericht mittels Urteil in meiner Klagesache entscheidet.

Das Gericht wird sich an die Fachkenntnis des Gutachters halten, der eine hochwertige Versorgung ja befürwortet.
Um die Frage der AOK zu beantworten:
Die sogenannten „Komfortkomponenten“ wie Bluetooth benötigen Zusatzgeräte, um Verbindung mit anderen Bluetooth-Geräten aufzunehmen. Diese Funktion wurde von mir nicht getestet, da in erster Linie für mich das Sprachverständnis wichtig war und ist. Die Technik der Phonak Exélia Art M-Hörsysteme arbeitet sehr gut im Sprachbereich und (auch in Situationen mit hohem Umgebungslärm) in hervorragender Qualität.
Und genau aus diesem Grund habe ich mich für diese Geräte entschieden.

Bei den begehrten Phonak Exélia Art M wurden messbar und subjektiv die besten Hörergebnisse in allen Bereichen – vor allem im Sprachbereich – erreicht und nur mit diesen Hörsystemen kann ein unmittelbarer Behinderungsausgleich erfolgen.
Da es inzwischen ein Nachfolgemodell von Phonak Exélia Art M gibt – die Testphase war vor 2 Jahren – ist der Abgabepreis sicherlich gesunken. Ich habe vor, auch die Nachfolgemodelle zu testen.
Bei Fragen erreichen Sie mich unter der Tel.Nr. ….

Schreiben des VdKs an das Sozialgericht Reutlingen

13. Oktober 2011

Wir nehmen Bezug auf die Verfügung vom 22.9.2011 und teilen für die Klägerin mit, dass sie das Vergleichsangebot vom 19.9.2011 nicht annimmt.
Zur Begründung führen wir für die Klägerin Folgendes aus:
Die sogenannten ,,Komfortkomponenten“ wie Bluetooth benötigen Zusatzgeräte, um Verbindung mit anderen Bluetooth-Geräten aufzunehmen. Diese Funktion wurde von der Klägerin nicht getestet, da in erster Linie für sie das Sprachverständnis wichtig war und ist. Die Technik der Phonak Ex6lia Art M-Hörsysteme arbeitet sehr gut im Sprachbereich und (auch in Situationen mit hohem Umgebungslärm) in hervorragender Qualität. Dies ist der Grund dafür, dass die Kiagerin sich für diese Geräte entschieden hat.
Messbar und subjektiv wurden mit den streitgegenständlichen Geräten die besten Hörergebnisse in allen Bereichen – vor allem im Sprachbereich – erreicht und nur mit diesen Hörsystemen kann ein unmittelbarer Behinderungsausgleich erfolgen.
Für den Fall, dass die Beklagte kein Anerkenntnis abgibt, bitten wir um einen alsbaldigen Termin zur mündlichen  Verhandlung.

Die Anerkenntnis der Krankenkasse

Am 14. November 2011 erhielt ich vom VdK die Bestätigung, dass die AOK Neckar-Alb dem Sozialgericht ihre Anerkenntnis am 27.10.2011 zukommen ließ.

Der Abgabepreis der gewählten Hörgeräte hatte sich (2 Jahre nach dem Testen) von EUR 2750,00 auf EUR 2200,00 pro Gerät reduziert. Somit hat die Krankenkasse 1100,00 EUR „gespart“, musste aber natürlich die Gerichtskosten vollständig übernehmen (also doch nicht so viel gespart).

Mit der Anerkenntnis kam der Rechtsstreit somit zu einem Ende. Im Schreiben der AOK stand „In der Rechtssache …. will sich die Beklagte der Argumentation der Klägerseite nicht weiter verschließen. (Bemerkung: das konnten sie vorher aber sehr gut) Dies gilt insbesondere in Anbetracht der bei der Klägerin vorliegenden Grunderkrankung und vor dem Hintergrund, dass bei ihr bislang noch keine Hörgeräte-Neuversorgung erfolgt ist, sowie auf dem doch erheblich besseren Hörverständnis im Vergleich zu den anderen getesteten Geräten. (Bemerkung: das lag von Anfang an schon Schwarz auf Weiß vor, warum lesen die MitarbeiterInnen der AOK und des MdKs nicht, was vor Ihnen liegt??? Oder wird hier alles absichtlich „übersehen“???)

Von der Fa. Hörakustik … war in Erfahrung zu bringen, dass die Hörgeräte nun wesentlich preisgünstiger als im Angebot vom 11.11.2009 veranschlagt, abgegeben werden. Die Kosten auf ein Hörgerät belaufen sich nunmehr noch auf 2200,00 EUR.

Auf dieser Basis gibt die Beklagte folgendes Anerkenntnis ab:

  1. Die Beklagte erklärt sich bereit, die Kosten für die Hörgeräteversorgung der Klägerin analog dem Kostenvoranschlag der Fa. … vom 11.11.2009 mit der Maßgabe zu übernehmen, dass für ein Hörgerät höchstens 2200,00 EUR vergütet werden.
  2. Sie trägt die notwendigen Kosten der Klägerin in angemessender Höhe

Das war’s dann :o)

Ich frage mich, ob es nicht eine Taktik mancher Krankenkassen ist, bestimmte Beantragungen so weit wie möglich hinauszuschieben, um letztendlich Kosten einzusparen. Desweiteren wird angenommen, dass die meisten behinderten Menschen ein Klageverfahren nicht anstreben, weil es zu lange dauert und auch noch gehörig an den Nerven zehrt. Traurig, aber wahr …. solange man nicht selbst betroffen ist und nur die anderen ….

 

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Hörgeräte: Widerspruch

Nachdem mein sorgfältig und ausführlich begründeter Antrag (wie erwartet) abgelehnt wurde, hatte ich folgendes Schreiben an meine Krankenkasse geschickt:

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für die Zusendung der sozialmedizinischen Beratung vom 12.02.2010 vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Baden-Württemberg.

Leider fehlt die Aussage des Mediziners, auf welche Seite er sich stellt und ob er nun – wie er es dargelegt hat – sich der Entscheidung des Bundessozialgerichtes und damit der Forderung des Patienten anschließt. Dabei hat der unbekannte Schreiber (da Name geschwärzt) es versäumt, auf die Besonderheit der Einzelfallentscheidung im BSG- Urteil hinzuweisen:

Festbetragsregelungen sind dazu da, einen Preiswettbewerb in Gang zu setzen.            «Festbeträge sollen nicht die notwendige Versorgung behindern»

Der Versicherte hat den Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, (Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, wenn sie erstens nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens oder nach § 34 Abs 4 SGB V aus der GKV-Versorgung ausgeschlossen) und zweitens im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen.
(Keine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens sind dagegen: Für die speziellen Bedürfnisse kranker und behinderter Menschen entwickelte und so benutzte Gegenstände, selbst wenn sie – wie bei Brillen oder Hörgeräten – millionenfach verbreitet sind).

Die Aufgabe der GKV ist allein die medizinische Rehabilitation, also die weitgehende Wiederherstellung der Organfunktion, um ein selbständiges Leben führen und die Anforderungen des Alltags meistern zu können.

Für diesen unmittelbaren Behinderungsausgleich gilt das Gebot eines möglichst weitgehenden Ausgleichs des Funktionsdefizits, und zwar unter Berücksichtigung des aktuellen Stands des medizinischen und technischen Fortschritts. Dies dient in aller Regel ohne gesonderte weitere Prüfung der Befriedigung eines Grundbedürfnisses des täglichen Lebens iS von § 31 Abs 1 Nr 3 SGB IX, weil die Erhaltung bzw Wiederherstellung einer Körperfunktion als solche schon ein Grundbedürfnis in diesem Sinne ist.

Deshalb kann auch die Versorgung mit einem fortschrittlichen, technisch weiterentwickelten Hilfsmittel nicht mit der Begründung abgelehnt werden, der bisher erreichte Versorgungsstandard sei ausreichend, solange ein Ausgleich der Behinderung nicht vollständig im Sinne des Gleichziehens mit einem gesunden Menschen erreicht ist.

Die Versorgung mit Hörgeräten dient dem unmittelbaren Behinderungsausgleich und demzufolge ist das begehrte Hörgerät (in meinem Fall Phonak Exélia Art M) grundsätzlich erforderlich iS von § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V, weil es nach dem Stand der Medizintechnik (§ 2 Abs 1 Satz 3 SGB V) die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlaubt und damit im allgemeinen Alltagsleben einen erheblichen Gebrauchsvorteil gegenüber anderen Hörhilfen bietet.

Die Erblindung (Usher-Syndrom Typ II) kann durch keinerlei Hilfsmittel behoben werden. Somit ist die Orientierung manuell mit dem Langstock nur eine untergeordnete Hilfe in der Fortbewegung. Zur Erkennung und Abwehr der ständigen Gefahren im öffentlichen Verkehr und in der Kommunikation zur Teilhabe am öffentlichen Leben, ist das vollständige Hören eine Notwendigkeit. Diesen Ausgleich der gesamten Behinderung  – der Blindheit und Schwerhörigkeit – nach den technischen Gegebenheiten auszugleichen ist nicht möglich.

Es kann hier die verbesserte Hörgeräteausrüstung einen kleinen Teil der Behinderung abschwächen und daher sind die unter vielen Hörgeräten ausgetesteten und zur Beschaffung vorgelegten digitalen Hörgeräte zu gewähren.

Eine weitere Verzögerung der Auslieferung führt zwangsläufig zu einer persönlichen Abschottung und dem Verlust der Teilhabe am öffentlichen Leben, was der Verletzung der Fürsorgepflicht der GKV (gesetzlichen Krankenkasse) gleich kommt.

Mit freundlichem Gruß

Bemerkung:

Ein bisschen Eindruck schinden kann nicht schaden, dachte ich. Dieses Schreiben war keine Begründung für den Widerspruch, der kam erst danach bei der AOK an und etwas länger danach die tatsächliche Begründung. Das Fatale an der Sache war aber, dass genau dieses Schreiben dem Widerspruchsausschuss als Begründung meines Widerspruchs vorgelegt wurde. Obwohl dieses Schreiben NICHT als Begründung deklariert war. Ja DANKE aber auch.


Widerspruch gegen Ablehnungsbescheid vom 23.02.2010

Sehr geehrter Herr S.,

gegen Ihren Ablehnungsbescheid vom 23.02.2010 lege ich zur Fristwahrung Widerspruch ein und beantrage Akteneinsicht.
Die Begründung des Widerspruchs folgt.

Sie haben die vom Gesetzgeber geforderte Einzelfallprüfung nicht durchgeführt.

Ich bitte um schriftliche Bestätigung dieses Widerspruchs.

Mit freundlichem Gruß

Bemerkung:

Nach meinem Widerspruch (03. März 2010) bekam ich den Erläuterungstext (die Akteneinsicht) vom Medizinischen Dienst zugesandt. Dies war eine Kopie des sozialmedizinischen Gutachtens unter Berücksichtigung der Beurteilungsgrundlagen. Ich behalte mir vor, dieses Schreiben zu veröffentlichen, denn im Grunde wiederholt sich alles etwas ausführlicher als die Beurteilung des MdK (s. Menüpunkt Antrag: Die Antwort der Krankenkasse). Viel Bla Bla und Nachgeplapper.


Nachreichen der Begründung zum Widerspruch

gegen Ablehnungsbescheid vom 23.02.2010, Schreiben vom 04. Mai 2010

Sehr geehrter Herr R.,

zur Vorlage beim Widerspruchsausschuss möchte ich Ihnen die Begründung meines Widerspruchs vom 03.03.2010 gegen Ihren Ablehnungsbescheid vom 23.02.2010 nachreichen. Sie erhalten die Begründung vorab als FAX sowie als Brief.

Begründung

Der Medizinische Dienst der AOK Tübingen hat meinen Hörverlust nach der 3-Frequenz-Tabelle (Röser 1980) berechnet. Das ist nicht korrekt. Diese Tabelle wird nur herangezogen, wenn ein Hochtonverlust vom Typ Lärmschwerhörigkeit vorliegt. Bei mir liegt aber keine Lärmschwerhörigkeit vor. Bei einer Lärmschwerhörigkeit sieht das Audiogramm anders aus, es hat eine sogenannte „C4-Senke“.

Bei mir liegt eine kombinierte Innenohrschwerhörigkeit (Schalleitungskomponente bei 250 Hertz) vor. Deshalb muss für die Berechnung meines Hörverlustes die 4-Frequenztabelle nach Röser 1973 herangezogen werden. Demnach haben ich einen Hörverlust von 69% rechts und 77% links und bin somit auf beiden Ohren hochgradig schwerhörig.

Das Vorliegen der Werte eines Hörverlustes von 66% rechts und 62% ergeben sich aus dem Tonaudiogramm des Anpassberichts von Norz Hörakustik vom 19.01.2010.

Der Medizinische Dienst muss aber die Werte aus dem Tonaudiogramm der Ohrenfachärztlichen Verordnung vom 18.09.2009 heranziehen. Hier liegt mein Hörverlust rechts bei 69% und links bei 77%. Schwankungen in Höhe von 5 bis 15 dB sind tagesformabhängig.

Dass Abweichungen von teilweise 15 dB vorliegen liegt daran, dass ich unter einem zeitweise starken Tinnitus leide und meine physischen und psychischen Verfassungen demnach von sehr schlecht bis sehr gut sind. Das wirkt sich enorm auf mein Hörvermögen aus.

Des Weiteren möchte ich Ihnen noch einmal genau beschreiben, wie ich mit meiner Sehschädigung lebe:

Bei einem Gespräch sehe ich meinem Gegenüber ins Gesicht, dabei kann ich durch mein stark eingeschränktes Sehvermögen (Tunnelblick) nur sehr schlecht das Mundbild verfolgen und muss mich deshalb auf mein Gehör verlassen. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist das Absehen von Lippen überhaupt nicht mehr möglich, d.h. bei Dämmerung oder Dunkelheit sehe ich nichts mehr, sowie bei sehr hellem Licht ist die Blendempfindlichkeit so hoch, dass ich ebenfalls nichts mehr erkennen kann.
Durch die Netzhauterkrankung (Retinitis Pigmentosa) ist das Kontrastsehen vermindert
sowie das Erkennen von bestimmten Farben nur unter optimalen Lichtverhältnissen möglich. Zum Erkennen von Schriften benötige ich eine Schriftgröße von mindestens 14 pt und einen guten Kontrast (Schwarz auf weiß oder weiß auf schwarz).

Um die Defizite durch meine Sehschädigung gut auszugleichen, benötige ich ein hochwertiges Hörsystem, das mich sicher durch das Alltagsleben führt und ein gutes Hören in verschiedenen Situationen ermöglicht, sowohl im Straßenverkehr (Zwei Kugelmikrophone mit omnidirektionalem Mikrophonsystem sorgen für exaktes Richtungshören und sind vor allem im Straßenverkehr für ein rechtzeitiges Hören von Gefahrenquellen wichtig) als auch in verschiedenen Räumen, die durch ihre teilweise schwierige Akustik (Hallen, Kirche, Vortragsräume) ein gutes Hören voraussetzen.

Das genaue Anpassen an diese verschiedenen Hörsitiationen ist nur mit einem 20-kanaligen Hörgerät, das auch fernsteuerbar ist, möglich. Ein automatisches Programm stellt sich immer auf die jeweilige Hörsituation ein und ist deswegen von äußerster Wichtigkeit.
Ein unerlässlicher Punkt ist auch ein automatisches Programm für den binauralen Gebrauch von Handys mit Freisprech-Funktion, um in Situationen mit großem Lärm wie z.B. auf einem Bahnhof Gespräche führen zu können. Da ich durch meine Sehschädigung nur öffentliche Verkehrsmittel benutze, bin ich auf ein Hörgerät angewiesen, das diese Technik auch unterstützt.
Ein Hörgerät mit verschieden Programmplätzen ermöglicht auch das manuelle Umstellen in bestimmten Hörsituationen.

Nach einem ausführlichen und über mehrere Monate andauernden Test verschiedener Hörsysteme habe ich mich für Phonak Exélia Art M entschieden, weil dieses Hörsystem herausragend im Vergleich zu anderen Hörsystemen am besten zu meiner Lebenssituation passt und alle Kriterien hervorragend und mit besten Hörergebnissen erfüllt.

Mit freundlichem Gruß

Bemerkung:

Die Krankenkasse erhielt meine Begründung zum Widerspruch am 18. Mai als Fax, einen Tag später als Brief. Wenige Tage später erhielt ich den Widerspruchsbescheid vom 21. Mai: Der Widerspruch wurde als unbegründet zurückgewiesen. Also lag meine Begründung auf irgendeinem Schreibtisch, während der Widerspruchsausschuss (nichts ahnend von meiner Begründung) meinen Widerspruch ganz klar abgelehnt hatte.

Obwohl es heißt, dass für die Begründung des Widerspruchs keine bestimmter Zeitraum angegeben ist (sondern nur die 4-wöchige Frist für den Widerspruch selbst), kam es dazu, dass meine Begründung von der AOK gar nicht erst abgewartet wurde und mein Widerspruch dann unbegründet weitergeleitet wurde.

Ja DANKE aber auch!

Da lässt man sich Zeit, um ja eine gute Begründung nach dem Einholen unzähliger Ratschläge abzuliefern, und dann so was!


Schreiben des Widerspruchausschusses vom 21.05.2010

Sehr geehrte Frau Raatz,

der Widerspruchsausschuss der AOK – die Gesundheitskasse Neckar-Alb in der Besetzung (Vorsitzende und 3 andere Mitglieder aufgeführt) hat in seiner Sitzung am 20.05.2010 in Bad Urach folgende Entscheidung getroffen:

  1. Der Widerspruch vom 03.03.2010, eingegangen am 16.03.2010, gegen den Bescheid der AOK – Die Gesundheitskasse Neckar-Alb vom 23.02.2010 wird als unbegründet zurückgewiesen
  2. Die Kosten des Widerspruchsverfahrens sind nicht zu erstatten
  3. Die Entscheidung ergeht gebührenfrei

Der Sachverhalt kann als PDF heruntergeladen werden, er enthält eine ausführliche Begründung der Ablehnung. Leider lag ja meine gut vorbereitete Begründung dem Widerspruchausschuss NICHT vor. Statt dessen hat ein unbedachter Mitarbeiter der AOK ohne Rückfrage ein Schreiben vorgelegt, das nicht als Widerspruchsbegründung deklariert war. :o( Welch ein unglückliches Missverständnis!

Sie können die Datei HIER herunterladen (PDF, 375 KB)

Bitte lesen Sie weiter unter dem Menüpunkt Klage

 

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Hörgeräte: Antrag

Lesen Sie hier den Antrag, den ich im Herbst 2009 an meine Krankenkasse geschickt hatte:

Beantragung Neuversorgung Hörgeräte

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bitte ich um die volle Kostenübernahme im Rahmen einer Einzelfallentscheidung der Hörgeräte Phonak Exélia Art M.
Mit meiner doppelten Sinnesbehinderung Usher-Syndrom Typ II (eine angeborene kombinierte Hör- und Sehschädigung) bin ich auf eine optimalste Versorgung mit hochwertigen, modernen Hörsystemen angewiesen, die in der Lage sind, mich möglichst nahe an ein normales Hören zu bringen und mir eine Teilhabe am öffentlichen Leben  ermöglichen, von dem ich mich in den letzten 2 Jahren (auf Grund der Verschlechterung meines Hör- und Sehvermögens) immer mehr zurückgezogen hatte.
Auch ergab sich eine erhöhte Unsicherheit im allgemeinem Straßenverkehr, weil es mir nicht mehr möglich ist, die Gefahrenquellen und Geräusche exakt zu orten.

Für die Sehschädigung (Tunnelblick, Nachtblindheit, stetiges Abnehmen des Kontrast- und Farbsehens, Lippenablesen in dunklen Räumen nicht mehr möglich) gibt es keine Heilung und keine Hilfsmittel zum Ausgleich und schlimmstenfalls muss ich mit einer Erblindung rechnen, aber die Hörschädigung kann durch sehr gute Hörsysteme unmittelbar ausgeglichen werden.
Aus diesem Grund möchte ich auch auf das Urteil des Bundessozialgerichts (Aktenzeichen: B 3 KR 20/08 R) hinweisen, das die Krankenkassen dazu verpflichtet, bei einer hochgradigen Schwerhörigkeit im Rahmen der Einzelfallentscheidung die bestmögliche Leistung zum Ausgleich dieser Behinderung zu gewähren.
Der GdB meines unbefristeten Schwerbehindertenausweises beträgt 100% (Kopie der Anlage beigefügt).

Da meine alten Hörgeräte nach über 7 Jahren Tragezeit ihre Funktion nicht mehr erfüllen und mir auch nicht mehr helfen, meine Mehrfachbehinderung (Usher Syndrom) zu bewältigen und auszugleichen, auch eine Verschlechterung meines Gesundheitszustandes eingetreten ist, muss für mich dringend ein verbessertes Hörsystem eingesetzt werden.

Die Hörgeräte Phonak Exélia Art M beidseits sind nach langem und ausführlichen Test mehrerer Hörsysteme die für mich als optimal herausgefunden worden. Sie erlauben mir den bestmöglichen Ausgleich der bestehenden Hörbehinderung.
Zum Vergleich sind 2 Anpassberichte mit anderen Hörsystemen der Anlage beigefügt.

Die Phonak Exélia Art M-Hörgeräte erfüllen im Vergleich zu meinen alten Hörgeräten von Widex folgende Funktionen:

  • Deutliche Verbesserung und sichere Bewegung im Straßenverkehr durch gutes Richtungshören und frühes Wahrnehmen von Gefahrensituationen (Mehrfachmikrofon-Technik)
  • Deutlich besseres Sprachverständnis im Straßenverkehr und in Menschengruppen, selbst bei großem Lärmpegel (VoiceZoom-Technik)
  • Windgeräusche werden abgeblockt, so dass ich selbst bei stürmischem Wetter meine Gesprächspartner verstehen kann (Windblock Management)
  • Deutlich besseres Sprachverständnis in Gesellschaft: Ich verstehe an einem Tisch mit mehreren Personen auch mein Gegenüber oder weiter weg sitzende Personen und nicht nur mein Nebenan (bis jetzt war dies nur mit Hilfe von Lippenablesen einigermaßen möglich)
  • Die Teilnahme an Vorträgen, Führungen (Schloß, Museum), Kirchenbesuche oder gar Konzerte sind mir wieder ohne große Probleme möglich und ich gehe mit wesentlich mehr Informationen nach Hause als früher, weil ich mit den Phonak-Geräten einfach MEHR akustisch verstehe
  • Ich nehme wieder mehr Naturgeräusche wahr (längst vergessen: Vogelstimmen, Grillenzirpen, das Rauschen von Blättern und Plätschern von Wasser) und bin glücklich darüber
  • Ich höre nicht nur, sondern VERSTEHE meine Nachbarin, wenn sie aus dem Fenster herauslehnt und etwas zu mir sagt. Auch Kinder verstehe ich viel besser und ältere Menschen, die Dialekte sprechen und etwas nuscheln
  • Die moderne Technik der Geräte blockt sehr laute Geräusche ab und schont mein Restgehör während es sehr leise Geräusche verstärkt, so dass ich sie wahr nehme
  • Keine Pfeif- und Störgeräusche beim Essen oder Bewegen der Gesichtsmuskulatur (keine Rückkopplungen)

All diese Vorteile bieten meine alten Hörsysteme schon lange nicht mehr, bzw. haben diese – auf Grund der veralteten Technik – niemals geboten. Ich hoffe, Sie können ein wenig nachvollziehen, wie wichtig ein hochwertiges und optimales Hörsystem für mich ist.

Mit freundlichem Gruß

Anlage
1 Hörgeräte-Verordnung der HNO-Klinik Tübingen mit Anpassbericht des Akustikers
1 Medizinisches Bericht der HNO-Klinik Tübingen
1 Augenfachärztliche Bescheinigung von Dr. med. J.R.
1 Bestätigung der Fa. N.-Hörakustik
1 Kostenvoranschlag der Fa. N.Hörakustik
2 Anpassberichte mit anderen Hörsystemen zum Vergleich
1 Kopie Schwerbehindertenausweis
1 Informationsbroschüre Usher-Syndrom der PRO RETINA

Bemerkung

Es ist von großem Vorteil, alle vorhandenen medizinischen Atteste als Kopien mitzuschicken, auch eine Empfehlung des Hörgeräteakustikers, wenn Sie sich für ein bestimmtes Hörsystem entschieden haben.

Nehmen Sie die Beantragung der Hörgeräte selbst in die Hand und sammeln Sie alle wichtigen Unterlagen, die für eine erfolgreiche Beantragung relevant sind (wie oben z.B. aufgeführt).

Manche Akustiker wollen das für Sie übernehmen, lassen Sie sich jedoch nicht darauf ein, unterschreiben Sie auch bitte NICHTS beim Akustiker im Voraus!
Einzige Ausnahme: die Ausprobe-Vereinbarung, dass Sie bestimmte Hörgeräte getestet haben.

Die Antwort der Krankenkasse

lhr Antrag auf Versorgung mit Hörgeräten außerhalb der Festbetragsregelung
23.02.2010

Sehr geehrte Frau Raatz,

wir haben die Unterlagen über lhre Versorgung mit Hörgeräten außerhalb der Festbetragsregelung dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Baden-Würftemberg zur Begutachtung vorgelegt. Dieser kommt zu folgender Beurteilung: ,,Lt. vorliegenden Unterlagen leidet die Versicherte unter einem Usher-Syndrom Typ ll. Das Usher-Syndrcm besteht aus der Kombination einer Retinitis pigmentosa und einer progredienten lnnenohrschwerhörigkeit. Beim Usher-Typ II tritt die Hörstörung sehr früh auf, bereits bei der Gebrut oder in den ersten Lebensjahren entwickelt sich seine Taubheit. Die ophthalmologischen Befunde treten erst im Alter von 10 – 20 Jahren auf. Hier dominieft der Visusverlust mit konzentischer Gesichtsfeldeinengung. Der Usher-Typ II entwickelt im Alter von 5 – 10 Jahren eine meist mittelgradige Schwerhörigkeit, die jedoch selten progredient ist.

Lt. Messungen des Akustikers verläuft die Hörschwelle der Versicherten im Hauptsprachbereich rechtsseitig ca. zwischen 40 und 60 dB, linksseitig ca. zwischen 35 und 60 dB. lm Sprachbereich versteht die Versicherte beim dBopt 90 dB rechts 75% der Einsilber und links 90% der Einsilber. Aus dem Tonaudiogramm errechnet sich nach der 3-Frequenztabelle (Röser 1980) rechts und links jeweils ein Hörverlust von 55%, entsprechend einer mittelgradigen Schwerhörigkeit bds.


Bemerkung:

Der Medizinische Dienst der Krankenkasse hat zur Berechnung meiner Schwerhörigkeit eine andere – in meinem Fall nicht zulässige – Tabelle herangezogen, um den Grad meiner Schwerhörigkeit herunterzuspielen! Eine Taktik, die leider bei vielen Krankenkassen die Regel ist und vom Laien nicht bemerkt wird. :o(

Der MdK hat meinen Hörverlust nach der 3-Frequenz-Tabelle (Röser 1980) berechnet. Das ist nicht korrekt. Diese Tabelle wird nur herangezogen, wenn ein Hochtonverlust vom Typ Lärmschwerhörigkeit vorliegt. Bei mir liegt aber keine Lärmschwerhörigkeit vor. Bei einer Lärmschwerhörigkeit sieht das Audiogramm anders aus, es hat eine sogenannte „C4-Senke“.
Bei mir liegt eine kombinierte Innenohrschwerhörigkeit (Schalleitungskomponente bei 250 Hertz) vor. Deshalb muss für die Berechnung meines Hörverlustes die 4-Frequenztabelle nach Röser 1973 herangezogen werden. Demnach habe ich einen Hörverlust von 69% rechts und 77% links und bin somit auf beiden Ohren hochgradig schwerhörig.


Die Versicherte hat sich für das Hörgerät Phonak Exelia Art M (Hilfsmiftel-Nr.:13.20.03.1684) entschieden. Hierbei handelt es sich um ein 21-kanaliges Hinter-den-Ohr-Hörgerät mit einer Verstärkung von 57 dB bei 1,6 kHz. Digitale Signalverarbeitung, alle einstellbare Parameter sind digital programmierbar. Zwei Kugelmikrophone, omnidirektionales Mikrophonsystem. Automatische und manuelle Verstärkungregelung. 20 aktive Kangblenden. Die Schaltung von 5 Programmen ist möglich.

Die Versicherte hat sich für ein hochwertiges und hochpreisiges Hörgerät entschieden. Ein 29-kanaliges, fernsteuerbares Hörgerät mit automatischem Programm für den binauralen Gebrauch von Handys mit Freisprechfunktion und den weiteren, o.g. Sonderausstattungsmerkmalen übersteigt das Maß des Notwendigen. Die Versicherte hat sich für ein Hörgerät mit einer bestmöglichen zur Verfügung stehenden Hörgerätetechnik am Markt und für eines der teuersten Hörgeräte am Markt entschieden.

Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die „Vereinbarung über die Versorgung von Versicherten der AOK in Baden-Württemberg mit Hörsystemen einschl. der Versorgung von Kindern und Jugendlichen“ zwischen der AOK und der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker, in Kraft getreten am 01.04.2006.

Laut deren § 1 gewährleistet der Hörgeräteakustiker eine ausreichende, zweckmäßig, qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Versorgung (512 SGB V) mit analogen. digital programmierbaren und volldigitalen Hörsystemen. Laut §6, Abs. 4 hält der Hörgeräteakustiker entsprechend der Produktgruppe 13 ein für die Versicherten mehrkostenfreies Angebot für alle Schwerhörigkeitsgrade sowie Tinnitusversorgung vor.

Unter der Produktgruppe 13.20.03.1 (Hinter-dem-Ohr-geräte 56-70 dB) sind im Hilfsmittelverzeichnis nach § 139 SGB V insgesamt 738 verschiedenen Hörgeräte gelistet. Es lst davon auszugehen, dass es hierunter noch weitere zweckmäßige Hörgeräte gibt, die den Hörverlust der Versicherten ausreichend ausgleichen.


Bemerkung:

Dass mein Wahlgerät hochpreisig ist, liegt an den Preistreibern auf dem Hörgerätemarkt. Während die Materialkosten für hochpreisige Hörgeräte einen Wert von nur mehreren Hundert Euro haben, wird der Verkaufspreis auf mehrere Tausend Euro hochgetrieben. Da sollte etwas geändert und endlich ein Riegel vorgeschoben werden.

Leider ist unter den zweckmäßigen Hörgeräten kaum eines dabei, das eine Hörbehinderung nur annähernd gut ausgleichen kann, vor allem im Sprachbereich: die Technik lässt das schon gar nicht zu.


Der dritte Senat des Bundessozialgerichtes hat am 17.12.2009 entschieden, dass die Krankenkasse die Hörgeschädigte nicht auf die Versorgung mit unzureichenden Festbetragshörgeräten verweisen darf. Zum Ausgleich von Hörbehinderung habe die Kankenkasse für die Versorgung mit solchen Hörgeräten aufzukommen, die nach dem Stand der Medizintechnik die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben und gegenüber anderen Hörhilfen erhebliche Gebrauchsvorteile im Alltagsleben bieten. Daran müssen auch die Festbeträge der Krankenkassen ausgerichtet werden. Demzufolge begrenzt der für ein Hilfsmittel festgesetzte Festbetrag die Leistungspflicht der Krankenkasse dann nicht, wenn er für den Ausgleich der konkret vorliegenden Behinderung objektiv nicht ausreicht. Das beurteilt sich nach den Versorgungsanforderungen der jeweils betroffenen Gruppe von Versicherten, mit einem Hörverlust von nahezu 100%. Sie konnten zur Überzeugung des Bundessozialgerichtes mit den für Baden-Württemberg im Jahre 2004 geltenden Festbeträgen nicht ausreichend versorgt werden.

ln diesem Zusammenhang ist auf folgendes hlnzuweisen:

  • Im vorliegenden Fall liegt kein Hörverlust von 100% vor. Ermittelt nach der 3-Frequenztabelle (Röser 1980) liegt ein Hörverlust von rechts und links jeweils 55% vor (mittelgradige Schwerhörigkeit).
  • Der Erfolg einer Hörgeräteversorgung wird mit subjektiven Hörtests (Sprachverstehen) dokumentiert. ln oben genannter aktueller „Vereinbarung“ der AOK sind volldigitale Hörsysteme genannt.

Die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker (Biha) hat bezüglich des BSG-Urteils alle seine Mitglieder angeschrieben und mitgeteilt, dass dieses Urteil keine Auswirkungen auf die bestehenden Verträge mit den Krankenkassen hat, weil die Verträge den gesetzlichen Vorgaben des SGB V entsprechen. Daher besteht auch weitehin die Verpflichtung, dem Versicherten Hörsysteme eigenanteilsfrei anzubieten, die geeignet sind, den individuellen Hörverlust ausreichend und zweckmäßig auszugleichen.


Bemerkung:

Das BSG-Urteil bezieht sich inzwischen auf alle Hörgeschädigten, bei denen ein hochgradiger Hörverlust nachgewiesen wurde. Demnach sind die Krankenkassen verpflichtet, die Kosten für hochwertige Hörsysteme zu bezahlen, wenn nachweislich eine bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder besteht.

Außerdem kann niemand so richtig die Frage beantworten: was ist ausreichend und zweckmäßig?


Ergebnis

Medizinische Voraussetzungen für die Leistung nicht erfüllt

Falls Sie mit unserer Entscheidung nicht verstanden sind, können Sie dagegen Widerspruch einlegen. Der Widerspruch ist schriftlich oder zur Niederschrift bei der AOK-Bezirksdirektion Necker-Alb, Europastr. 4, 72072 Tübingen einzureichen, und zwar innerhalb eines Monats, nach dem dieser Bescheid bekannt gegeben worden ist.


Bemerkung:

Nein, ich war mit dieser Entscheidung nicht verstanden :o) Deutsche Sprache schwere Sprache ;o) Bitte lesen Sie weiter unter dem Menüpunkt „Widerspruch“


Bestätigung Hörakustiker (28.10.2009)

Sehr geehrte Frau Raatz,

gerne bestätigen wir lhnen nach abgeschlossener Hörsystemanpassung mit Exelia
Art M den Anpasserfolg zur Vorlage beim Kostenträger.

Sie haben seit Mai 2009 unterschiedliche Hörsysteme auch im privaten Umfeld
prüfen können. Angepasst wurden: Phonak Solo T, Widex Bravo B 11, Oticon Vigo
P, Phonak Certena M, Widex Flash FL 9, Widex  Mind m4-9 Phonak Exelia Art M.

Mit Exelia Art M erreichten Sie die besten Ergebnisse auch in störgeräuschvollen
Hörsituationen und in akustisch anspruchvoller Hörumgebung.

Das Einsilberverstehen mit Exelia Art M im FF bei 55/65/80 dB liegt bei 45/90/100 %.
Mit 60 dB Störschall von hinten, Nutzschall 65 dB von vorne 50 %.

Mit freundlichen Grüßen


Attest der Augenklinik Tübingen

15.12.2009

Sehr geehrter Herr P.,

wir berichten über unsere Patientin, Frau Christina Raatz, geb. am 31.12.1962, aus Mössingen, die sich am 18.09.2009 in unserer Sprechstunde vorstellte.

Diagnose: Usher-Syndrom Typ II mit Retinitis pigmentosa und cochleärer Schwerhörigkeit

Therapie: Empfehlung zu einer hochwertigen Hörgeräteversorgung aufgrund der ausgedehnten Sinnesstörung Auge/Ohr

Anamnestisch berichtete Frau Raatz über eine beidseitige Progression der Hörminderung bei vorliegendem Usher-Syndrom Typ II. Dieses Syndrom geht einher mit einer deutlichen Visusminderung und einer Retinitis pigmentosa neben der bekannten cochleären Schwerhörigkeit.
Die cochleäre Schwerhörigkeit ist im Vergleich zum Vorbefund progredient und zeigt einen Diskriminationsverlust auf dem rechten und auf dem linken Ohr.
Die Sprachverständlichkeit bei 80 dB rechts als auch links beträgt 30 %. Durch die Hörgeräteversorgung wird diese auf 95 % bei 65 dB verbessert. Dies ist nur mit einem hochwertigen Hörgerät möglich.

Eine hochwertige Versorgung ist bei dieser Hörstörung mit Retinitis pigmentosa und Visusminderung absolut essentiell, da Patienten auf jegliche Art der Sinneswahrnehmung angewiesen sind.

Bescheinigung vom Augenarzt

Augenfachärztliche  Bescheinigung zur Vorlage bei der Krankenkasse

Hiermit wird bescheinigt, dass bei Frau Raatz eine beidseitige Retinopathia pigmentosa bei Usher-Syndrom besteht. Bezüglich des Sehvermögens liegen eine starke konzentrische Einengung des Gesichtsfeldes beider Augen und zusätzlich eine Minderung der Sehschärfe beidseits auf 0,4 mit bester Gläserkorrektur vor.

 

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Kommentar zu Antrag

Kommentar von _widder2hörner am 14.08.2012; 13:35:52 Uhr

Bravo! Ihr Durchhaltevermögen ist grossartig! Ihr Testbericht sehr hilfreich. In ähnlicher Situation, doppelte Sinnesbehinderung durch an Taubheit grenzend li. und hochgradig schwerhörig re. Beidseitig Vestibularisausfall mit Oscillopsia, Dauerschwindel. Behinderungsgrad 100. Demnächst Anpassung neuer HG… Sie machen mir Mut! Danke!

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Hörgeräte-Blog 2009 bis 2011

Beantragung hochwertiger Hörgeräte

bei Usher-Syndrom, Widerspruchs- und Klageverfahren

Ich lebe wie ca. 5000 andere in Deutschland Betroffene mit dem Usher-Syndrom, einer Hör-Seh-Behinderung. (Info siehe Usher-Syndrom) Einige vom Usher-Syndrom behaftete Menschen sind taubblind geboren oder im Erwachsenenalter taubblind geworden.

In diesem Blog geht es um die Anschaffung neuer Hörsysteme und die Bemühung, diese von der Krankenkasse – in meinem Fall die AOK Neckar-Alb – vollständig erstattet zu bekommen. Der Krankenkassenanteil pro Hörgerät beträgt z.Zt. 320,00 Euro.

Nur 320,00 Euro Festzuschuss pro Hörgerät – nicht ausreichend für ein optimales Hörsystem (Stand: 2009)

Menschen mit Usher-Syndrom sind auf Grund ihres stark eingeschränkten Sehvermögens bzw. ihrer Blindheit auf ein optimales Hörsystem angewiesen, um dieses Defizit auszugleichen und die Teilnahme am öffentlichem Leben und die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten.

Zur Zeit trage ich über 9 Jahre alte Im-Ohr-Hörgeräte von Widex, einer Stuttgarter Firma. Da sich mein Hörvermögen verschlechtert hat und die Hörgeräte komplett veraltet sind, ist das Sprachverständnis auf 45% herabgesetzt, höchste Zeit also für neue Hörgeräte, diesmal HdO-Geräte (Hinter dem Ohr), da diese von der Leistung und den Einstellungsmöglichkeiten her flexibler sind.

Antrag

Hier veröffentliche ich alle Schreiben, die zur Beantragung von Hörgeräten gehören

Widerspruch

In Widerspruch beschreibe ich das Widerspruchsverfahren und veröffentliche alle Schreiben und Antworten, die damit zusammenhängen.

Klage

Hier beschreibe ich das Klageverfahren gegen meine Krankenkasse mit Unterstützung durch den VdK

Hörgeräte-Test

Hier beschreibe ich die Tests verschiedener Hörsysteme, die meine Akustikerin vorgeschlagen hat.

Das Hören danach

Beschreibung des Hörempfindens mit den neuen Hörsystemen

Wichtig

Wenn Sie eine neue Hörgeräteversorgung brauchen, lassen Sie sich bitte nur von Hörgeräte-Akustikern Hörsysteme anpassen. Manche HNO-Ärzte bieten auch Hörgeräte in ihrer Praxis an: lassen Sie die Finger davon, Sie würden nicht glücklich damit werden.

Jeglicher Schriftverkehr mit den Krankenkassen erfolgte per Versand mit Einschreiben, der Widerspruch zusätzlich mit dem Versand eines Faxes. Das ist absolut zu empfehlen, damit kein Schreiben „verloren“ geht.

Aktuelle Zuzahlungen für Hörgeräte 2012

Ein digitales Marken-Hörgerät gibt es für € 10,- Zuzahlung (=ausreichend und zweckmäßig?)

Aktuelle Zuschüsse der Krankenkassen inkl. Mwst. 2012

AOK/ BKK/ IKK/ KKH:
1 Hörsystem:    € 393,50
2 Hörsysteme:  € 715,00
Reparaturpauschale je Hörgerät € 160,00

DAK/ BEK/ GEK/ TKK:
1 Hörsystem:     € 453,50
2 Hörsysteme:    € 823,00
Reparaturpauschale je Hörgerät: € 194,90

Ab 01.03.2012:
Neu geregelte Zuschüsse aller Krankenkassen auf Bundesebene für „an Taubheit grenzende“ Schwerhörigkeiten:
1 Hörsystem: bis zu € 877,23
2 Hörsysteme: bis zu € 1586,07

Danksagung

Ohne die unten aufgeführten Personen hätte ich niemals die Hörsysteme erhalten, die ich mir für ein gutes Hören gewünscht hatte. Deshalb möchte ich mich auf diesem Wage ganz herzlich für die Unterstützung bedanken bei:

  • Den Sozialberatern des Vereins Leben mit Usher e.V. (www.leben-mit-usher.de)
  • Herrn Prof. Markus Pfister (ehemals HNO-Klinik Tübingen)
  • Herrn Albus vom VdK SRgGmbH Tübingen (www.vdk.de)
  • Frau Lange (Fa. Norz Hörakustik Tübingen)
  • Frau R. Köble (Beratung für Hörgeschädigte Stuttgart, Danke für die „Ausnahme“)
  • Allen Freunden und Bekannten für ihre Unterstützung